Aus meines Herzens Grunde

aus dem Neu Catechismus-Gesangbüchlein, Hamburg, 1598

Georg Nigidius (Neige), 1585;

Aus meines Herzens Grunde
Sag’ ich dir Lob und Dank
In dieser Morgenstunde,
Dazu mein Leben lang,
O Gott, in deinem Thron,
Dir zu Preis, Lob und Ehren
Durch Christum, unsern Herren,
Dein’n eingebornen Sohn,
2. Daß du mich hast aus Gnaden
In der vergangnen Nacht
Vor G’fahr und allem Schaden
Behütet und bewacht.
Ich bitt’ demütiglich,
Woll’st mir mein’ Sünd’ vergeben,
Womit in diesem Leben
Ich hab’ erzürnet dich.

3. Du wollest auch behüten
Mich gnädig diesen Tag
Vor’s Teufels List und Wüten,
Vor Sünden und vor Schmach,
Vor Feu’r und Wassersnot,
Vor Armut und vor Schanden,
Vor Ketten und vor Banden,
Vor bösem schnellem Tod.

4. Dein’n Engel laß auch beiben
Und weichen nicht von mir,
Den Satan zu vertreiben,
Auf daß der bös’ Feind hier
In diesem Jammertal
Sein’ Tück’ an mir nicht übe,
Leib und Seel’ nicht betrübe
Und bring’ mich nicht zu Fall.
5. Gott will ich laßen raten,
Denn er all’ Ding’ vermag;
Er segne meine Taten,
Mein Vornehmen und Sach’,
Denn ich ihm heimgestellt
Mein’n Leib, mein’ Seel’, mein Leben
Und was er mir sonst geben.
Er mach’s, wie’s ihm gefällt.

6. Darauf so sprech’ ich Amen
Und zweifle nicht daran,
Gott wird es all’s zusammen
Sich wohlgefallen lan;
Und streck’ nun aus mein’ Hand,
Greif’ an das Werk mit Freuden,
Dazu mich Gott bescheiden
In mein’m Beruf und Stand.

Wahre Liebe

Wahre Liebe aus dem Album ” Lieder für den Herrn”

Das Hohelied der Liebe

Das Hohelied der Liebe
Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nur ein tönendes Erz oder eine gellende Zimbel.
Und wenn ich die Prophetengabe hätte und alle Geheimnisse durchschaute und alle Erkenntnis besäße, und wenn ich allen Glauben hätte, so daß ich Berge versetzte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und wenn ich meinen ganzen Besitz den Armen zuteilte und wenn ich meinen Leib den Flammen preisgäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts.
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, die Liebe ist nicht eifersüchtig. Sie prahlt nicht, überhebt sich nicht,
sie handelt nicht unschicklich, sucht nicht das Ihre, kennt keine Erbitterung, trägt das Böse nicht nach.
Am Unrecht hat sie kein Gefallen, freut sich aber an der Wahrheit.
Alles erträgt sie, alles glaubt sie, alles erhofft sie, alles erduldet sie.
Die Liebe hört niemals auf; Prophetengaben verschwinden, Sprachengaben hören auf, Erkenntnis vergeht.
Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser Prophezeien.
Kommt aber das Vollkommene, vergeht das Stückwerk.
Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind. Als ich ein Mann geworden war, legte ich das Kindhafte ab.
Jetzt schauen wir durch einen Spiegel, unklar, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Noch ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Am höchsten aber steht die Liebe.