Umgeschulte Linkshänder – die einzelnen Sekundärfolgen – Beispiele I

Die Umschulung (Umerziehung, Umpolung) eines Linkshänders zum Rechtshänder, kann (muss nicht) seelische, kommunikative, soziale Folgen und Verhaltenseigenschaften nach sich ziehen. Ein Sympthom dabei ist die “JA – ABER – Haltung”. Also auf eine Aussage eines Gegenübers oder auf deren Meinung oder gutmütigen Einwand oder Vorschlag z. b. erst einmal mit “Ja, aber…” zu antworten. Dies geschieht meist, um sich ein paar Zentel Sekunden Luft im Schwätzen zu verschaffen. Oder, um all zu schnelle Erwiederungsantworten zu verzögern.Kann aber auch darauf beruhen, dass der Umgeschulte Linkshänder das Angebot eines gesprochenen Satzes bewertet und sich leicht angegriffen fühlt.

Fernsehen ist nicht für die Realität maßgebend. Man kann sich aber jede Art von Serie ansehen, sei es das Polizeirevier einer Großstadt, oder die Dauer-Familien-WG am frühen Sonntagabend oder auch die Familienserie in einem kleinen Ort in Michigan um 1880. Dort habe ich schon mehrmals in den Dialogen bis zu 4 (Vier) mal “Ja, aber…” im Schlagabtausch beobachtet, bzw. gehört (also insgesamt 8 Mal).

Also kommt dies wahrscheinlich auch in Realitas vor. Mein Berater beim Integrationsfachdienst hielt mir vor, dass ich in Betrieblicher Kommunikation diese “Ja, aber…” absolut nicht bringen dürfe. Gemeint ist hier das alltägliche, kollegiale, belanglose unterhalten, das der Kitt für eine gute Harmonie bzw. Teamfähigkeit ist.

Er dürfe sich in seinem sozialpädagogischen Beruf (auch früher nicht als Ingenieur) keine 2 mal (zwei) im Jahr ein “Ja, aber….” leisten, sonst wäre er nicht mehr respektiert und verrufen und letztendlich wäre seine Arbeit mit Kündigung bedroht.

Wenn “Ja, aber …” so häufig im alltäglichen Smal Talk und in belanglosen Unterhaltungen vorkommt, wieso ist es dann in der Arbeit so gefährlich? Bei dem Integrationsberater hatten wir übrigens erörtert, wieso und warum (meine Fehler, Charakterzüge, kommunikativen Eigenheiten) ich so oft die Arbeit verloren habe, sprich mir gekündigt wurde. Meist nach der Probezeit oder nach maximal 15 Monaten.

Matthias H

Umgeschulte Linkshänder – die einzelnen Sekundärfolgen – Beispiele II – “Ins Wort fallen”

Durch die Umschulung der Händigkeit, also das Umerziehen von Linkshändigkeit auf Rechtshändigkeit, können sogenannte Sekundärfolgen entstehen, die oft sehr gravierend auf die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten auswirken können. Das kann wie bei mir zu einem ständigen Wechsel der Arbeit führen. Weil eine falsch verstehende Umwelt nicht damit umgehen kann. Ich wurde immer gekündigt, selbst habe ich nie gekündigt.

Diese Folgen können sein: Lese- und Rechtschreibschwäschen, Konzentrationsprobleme, Kommunikationsprobleme, ein “verknotetes Denken”, aber auch ein häufiges jemandem ins Wort fallen. Bei mir ist dies nicht so. Im Gegenteil: ich vermeide es sehr stark “jemandem ins Wort zu fallen” und fühle mich oft sehr verletzt, wenn dies jemand mit mir tut.

Ich habe ja oft den Eindruck, seit einige Leute wissen, dass mich viel an Text, den sie reden, leicht überlastet, nutzen sie es erst recht richtig aus.So war neulich in der Tagesgruppe für psychisch erkrankte Menschen ein Gespräch mit Damen vom Landratsamt, die Entscheidungen treffen. Es ging um einen zusätzlichen Öffnungstag. Bisher hat die Tagesgruppe nur 2x die Woche geöffnet. Die Damen schlugen vor, wir Besucher könnten einen Dritten Tag doch evtl. in eigener Regie auf privater Ebene, also privater Vernetzung, gestalten. Ich hatte sofort im Sinn, erst einmal zu fragen: “Wie ungefähr stellen Sie sich das vor? Und soll dies MIT oder OHNE fachliche Begleitung stattfinden?” Bei einem Vetrag sieht man sich doch auch zuerst die Klauseln an, bevor man zustimmt. Aber eine Besucherin hatte eine Reaktionszeit von einer Hunderstel Sekunde und wetterte schnell los mit ihrem Text. Ich setzte 8x an auch etwas zu diesem Thema zu sagen, wurde aber jedes Mal von dieser anderen Besucherin wie mit einer Dampfwalze (sprichwörtlich) platt gerdet. Diese nahm gar nicht wahr, dass noch andere am Tisch etwas sagen wollten (also ich), obwohl ich laut genug redete. Erst nach einer geschlagenen Viertelstunde kam ich dazu meine Frage an die Damen zu stellen.

Nun sagte mir ein guter Bekannter, der beruflich viel mit Menschen zu tun hat und auch Familienvater ist, dass die Regeln bei einer Gruppe anders sind. Ich müsse nicht mitteilen: “Halt, Du hast mich übergangen, bist mir ins Wort gefallen”. Sondern es würde genügen mich zu Wort zu melden und zu sagen, dass ich auch etwas zu dem Thema beitragen wolle. >Ich meinte zu dem Bekannten: “Aber, wenn ich mich in dem Punt ändere und diese Verädnerung bleibt nur bei mir, dann nützt es doch nichts”. Soll heissen, wenn ich mich nun gegen “ins Wort fallen” wehren will, muss ich dies doch auch mitteilen, sonst merkt niemand etwas, dass ich diese Fähigkeit nun habe. Oder wie seht ihr das? Ist das wirklich nicht üblich zu sagen: “Stop, Du fällst mir ins Wort”? Oder ist dies nur in Gruppensituationen nicht üblich im Dialog aber schon hin und wieder möglich. Oder genügt zu sagen: “Stop, das geht mir nun zu schnell. Ich möchte …. dazu sagen”. ? Genügt das?

Wörtliche Rede zu schreiben ist schwer. Und mir ist auch bewußt, dass soetwas im Text nciht leicht zu verstehen ist. Ich hoffe aber, es kommt richtig an.

Wie geht ihr mit dem Punkt “Ins Wort fallen” um? Übrigens gibt es von mir dazu auch eine Umfrage bei “Christlove”, die Christliche Singelbörse.

LG

Matthias

Umgeschulte Linkshänder – wie ich mit den Sekundärfolgen lebe IV – Beispiele

Eigentlich hätte ich früher und sollte es heute auch, Situationen, die ich versucht habe anzusprechen oder zu klären, wie in Teil III beschreiben, einfach stehen lassen können. Das habe ich sicher auch sehr oft getan. Sonst kommt man nicht weiter und die Zeit bleibt ja nicht stehen. Irgendwann und oft auch schnell war ich über ungeklärte Situationen ja auch hinweg, so wie es wohl den meisten Menschen geht.  “Etwas so stehen lassen” wäre also gelegentlich genau richtig. Ich kann aber nicht auf jede noch so kleine Situation, Gelegenheit verzichten, weil ich sonst kaum etwas im Alltag habe, was mir Ausgleich, Motivation und Rückhalt fürs Leben gibt. Es ist dringend notwenig, dass Leute meine Selbstsicherheit und Erwachsenheit bemerken. Theoretisch hab ichs längst begriffen, und 2010 so deutlich, aber praktisch versage ich zu oft, weil ich zuviel denke (Knoten im Gehirn), weil es mir zu schnell geht (“die Langsamen”) oder weil ich zu verblüfft bin durch Reaktionen von anderen an meiner Stelle (zu leicht ablenkbar, was sich andere oft Zunutze machen).

Heute habe ich dazu gelernt und durch die “spezielle” Ergotherapie mit der fachkundigen Therapeutin und Feldenkraislehrerin zeigen sich kleine Fortschritte. Ganz rückgängig machen kann man die Folgen der Umgeschulten Linkshändigkeit nicht, vorallem nicht in meinem Alter mit 50. Dies kann nur abgemildert werden. Heute achtet man ja bei Kindern schon spätestens mit 3 oder 4 auf die Händigkeit und läßt diese in der Schule und im Beruf so wie sie ist. Linkshändigkeit ist anerkannt, Umgeschulte Linkshändigkeit nach wie vor unbekannt (vorallem mögliche Folgen und Symthome nicht mal von Fachleuten ernst genommen) und wurde wohl in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie totgeschwiegen. Aber irgendetwas muss in den späten 50ern und in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts die Leute dazu bewegt haben mit dem Umschulen auf Rechts aufzuhören, obwohl es keinerlei Forschung damals gab über das Gehirn bzw. über Folgen und Auswirkungen, die durch die Änderung der Händigkeit entstehen können.

Auch hat man damals wohl nie solche Folgen mit der Händigkeit in Zusammenhang gebracht. Unbeholfene, verzögerte Menschen wie ich (damals und gemeint hier verzögert in Antworten, Reaktionen, Arbeit und Aufbau von Beziehungen und Erwachsenenleben), hat man einfach als “langsam” bezeichnet. Das war als Kind und Jugendlicher für mich ein Ausdruck, in den die Erwachsenen eingeweiht waren. Die Erwachsenen wußten insgeheim, was mit “langsam” gemeint war. Leider rückte man dadurch oft in die Nähe des Dorfdeppen (wieder mit dem deutlichen Hinweis, dass ich solchen Menschen nicht zu nahe treten will; oft waren damit solche gemeint, die nicht ganz so intelligent waren und ewige Singles waren).

Nun endlich zu den Beispielen. Leider habe ich von diesem Jahr fast nur Beispiele aus dem Erleben in der Tagestätte für psychisch Behinderte in Erinnerung.

In 2009 kam dort ein älterer Mann als neuer Besucher. Ihm gegenüber habe ich von Anfang an versäumt zu sagen, wie er auf mich wirkt. Mich mitzuteilen habe ich versäumt: dass er andere beleidigt, dass er mich missachtet, dass er mich über andere in der 3. Person anspricht und dies lassen soll (“Was hat er jetzt gemeint?”, “Warum sagt er das?”) anstatt, dass er mich persönlich und direkt anspricht und frägt. Und Hinweise auf sein Verhalten und zum Teil diskriminierende Äußerungen habe ich versäumt. Was nicht heisst, dass ich ihn ständig kritisieren wollte. Aber es war auf jeden Fall berechtigt, wenn er in der 3. Person über mich sprach und andere verletzte.

Von den anderen kam aber auch nur ganz selten Reaktion dem Mann gegenüber. Diese hatte ich aber eigentlich viel ehr als sehr selbstsicher eingeschätzt und vermisste daher ihre Reaktionen als Vorbild für mich, mich auch zu trauen, vorallem, wenn jemand beleidigt wurde, Kraftausdrücke kamen oder, wenn ich persönlich verletzt wurde.

Das habe ich wie gesagt von Anfang an versäumt. Anstatt aber neutral und höflich zu bleiben gegenüber dem schwierigen Herrn, missachtete ich ihn und grüßte ihn nicht mehr und entwickelte eine große Wut und Abneigung ihm gegenüber.

Ausserdem stand ich mit meinem Zögern schon wieder allzuhäufig den anderen gegenüber als der Unsichere, Unbeholfene und Nichterwachsene.

In anderen Fällen hat eine Besucherin immer oft für mich selbstsicher reagiert und eingefriffen, weil ich nichts sagte. Vermeintlich wollte sie mir gutgemeint helfen und ist mir in Situationen oft beigesprungen. Dazu habe ich auch viel zu lange nichts gesagt.  Einmal saßen wir zu mehreren zusammen am Tisch der Tagesgruppe. Die Leiterin stellte mir ein paar Kekse hin, aber eigentlich waren diese Kekse für alle. Da wollte der oben besagte Herr zugreifen. Sofort hat die Besucherin ihm auf die Finger geschlagen und ihn belehrt die Kekse seinen für mich. Ich war ganz ruhig und habe den Mann wollen zugreifen lassen. Zu ihm (der mir unangenehm und fast verhasst war) wollte ich also nichts sagen. Nur die Besucherin dachte ich hätte was dagegen, dass er Kekse nimmt und hat an meiner Stelle reagiert. An meiner Stelle wäre nun gewesen der Besucherin zu sagen: “Danke für deine Hilfe, du meinst es gut. Aber ich kann mir selbst helfen”.

Als ich dann im Sommer 10 endlich sehr viel begriffen hatte und viel in einer Beratung dazugelernt hatte, war es zu spät. Die Leitung der Tagestätte und auch einige Besucher inzwischen hatten ihm verschiedenes eingeschäft und sich selbstsicher ihm gegenüber behauptet. Da fühlte ich mich sehr um die Chance betrogen endlich bei vielen Gelegenheiten jemand selbstsicher und sozial kompetent zu begegnen. Prompt im dem Monment, als ich verstand worauf es ankommt, hat man mir diese Möglichkeiten weggenommen. So empfand ich das und war sehr deprimiert, weil man wieder nicht merkt, dass ich es endlich begriffen hatte.

Wenn ich anderen sage, wie ihr Verhalten auf mich wirkt, gebe ich ihnen die Möglichkeit sich zu ändern.

Wenn ich meine eigenen Rechte häufig nicht wahrnehme, gebe ich anderen die Möglichkeit mich zu manipulieren.

Neulich hat jemand in der Gruppe was gesagt. Es war aber zu ausführlich und kam nicht auf den Punkt. Ich dachte mir blos: “Was will er damit sagen?”. Anstatt dies aus zu sprechen. Ich wollte ihm sagen “Was willst du damit sagen? Komme bitte zu dem Wesentlichen!”. Ich wollte aber nicht schlauer sein als andere und der Leiterin nicht vorgreifen. Kaum hatte ich gedacht, dass es eigentlich die Aufgabe der Leiterin sei, ihm zu sagen er solle auf den Punkt kommen (also 2 Sekunden nach meiner Eingebung “was will er eigentlich sagen?”) da sagte die Leiterin genau die selben Worte “Was wollen Sie damit sagen. Kommen Sie bitte zum Wesentlichen”.

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Leute in meiner Umgebung mal 3 oder 4 Mal hintereinander mitbekommen, dass ich selbstsicher hinstehe. Dann würde ihnen auch hängen bleiben, dass ich auch selbstsicher , sozial kompetent und Erwachsen bin. Dann würden sie sich auch nicht mehr so bei mir einmischen und keiner mehr gutgemeint mir beispringen, um mir vermeintlich zu helfen (mir aber nur damit schaden).

So das soll genügen. Denn noch ausführlicher wird nur unverständlich und zu lang.

Auch, wenn ich beginne mich zu ändern, reagieren zunächst die Umgebung in ihr gewohnter Weise. Das macht mich gleich wieder sehr demotiviert. Das habe ich schon     vor 10, 15 Jahren gemerkt, dass sie dann immer noch nicht merken, dass ich mich ändere und meine sonstigen positiven Eigenheiten und Fähigkeiten nicht sehen. Und damals schon genau den folgenden Satz bereits gefolgert habe  —-> siehe Zitat:

Vielleicht nur noch ein Zitat aus “Umgeschulte Linkshänder – oder der Knoten im Gehirn”:

“Man kann übrigens, was jedem Therapeuten bekannt ist, oft Zeuge sein, dass auch, wenn es zu Änderungen im Verhalten eines Menschen kommt – seine Umwelt sie aber nicht als solche registriert und sich nicht darauf einstellt, sondern nach früheren Modellen verhält – sich die ursprüngliche Problematik wieder zurück induziert, und nach einer gewissen Zeit geht seine individuelle Verhaltensänderung verloren, und es bleibt alles beim Alten.”

MatthiasH

Umgeschulte Linkshänder – wie ich mit den Sekundärfolgen lebe III Meine Sekundärfolgen

Wie ich mit den Sekundärfolgen (siehe Teil 1) lebe, ist schwer zu beschreiben. Eigentlich kann ich nur beschreiben, wie ich heute damit umgehe und wlche Situationen ich damit erlebe. Dabei sollte ich aufpassen, mich kurz zu fassen. Ausserdem wäre es sehr müßig in die Kindheit und Vergangenheit zu schauen, weil ich das Thema nicht so sehr betonen will und lieber mehr in die Gegenwart und Zukunft schauen will. Das Vergangene läßt sich nicht ändern und Beispiele dazu hätte ich nur aus der Erinnerung.

Zuerst nochmal die wichtigsten Folgen, mit denen ich täglich umgehen muss und auch überwiegend gelernt habe damit um zu gehen und sie zu akzeptieren.

- Neigung zum Wiederspruch, “Ja-aber-Haltung”

- betont assoziatives Denken

- verknotetes Denken in einer Art geschlossenen Kreises – Circulus vitiosus (nachzulesen bei B. Sattler “Der umgeschulte Linkshänder – oder der Knoten im Gehirn”)

- Understatement, Unterspielen, “sich unter Preis anbieten” aus Angst, nicht mithalten zu können

- Bevorzugen von oft sehr knappen, treffenden, aber mitunter auch verletzenden Formulierung (“auf den Punkt bringen”)

- Verletzbarkeit, Empfindlichkeit

- oft unbewußt undiplomatischer Umgang mit anderen

- Mißtrauen und dauernd das Gefühl Angriffen ausgesetzt zu sein und sich dagegen wehren zu müssen (dies machen sich aber leider manche scheinbar zum Vorteil, in dem sie einfach sagen “es war nicht so”, “das bildest du dir nur ein” oder schnell einfach sagen “das habe ich vergessen, wie es war”; das kann ich aber daher nie genau wissen, was war; daher auch viele Unsicherheiten und auch der “Beweis”, dass ich geirrt habe bleibt sogfar noch scheinbar an mir selbst hängen, und es bleibt zurück, dass ich “vermute und hineininterpretiere”, wie es andere ausdrücken; es bleibt bei mir aber auch immer, dass es DOCH so gewesen sein kann, wie ich es angesprochen habe und das Gefühl, dass an mir immer alles falsch ist; kann aber auch sein, dass sich andere nur allzuleicht aus der Affäre ziehen können, da mir ja der Makel des “Vermuten” anhängt)

- Geselligkeitssehnsucht ; “Smal Talk” ist dem Umgeschulten Linkshänder aber schon eine große Anstrenung und mitunter ein Kraus bzw. sehr viel anstrengende Arbeit

- Härte gegenüber sich und anderen

- Übergenauigkeit, Überkontrolliertheit (wobei ich schon gemerkt habe, dass ich doch nicht perfekt genau bin, so wie manche ehem. Kolleginnen, die Berichte, Protokolle schreiben oder Literaturverzeichnisse schreiben und dem Chef Ornung und Termine machen usw.)

- Arbeit ist für mich sicher stellenweise anstrengender als für andere, da ich den Erwartungen gerecht werden will (siehe – unterspielen)

- ein Vorteil hat es wohl, dass ich zuverlässig und genau bin (heisst aber wieder negativ: mitunter bin ich oft zu langsam und umständlich)

Also zu dem, was mir oft passiert: wie oben schon beschrieben, gab und gibt es oft diese Situationen, dass ich denke man wollte mich angreifen oder übervorteilen oder es wurde nur etwas so oder so gesagt, um mir zu schaden (mitunter auch um mich zu schützen oder mir zu helfen), dass es aber wirklich anders war.  Wenn ich dann klären will und was anspreche wird entsprechend abgewiegelt oder gesagt, es sei anders gewesen oder hätte mich garnicht betroffen. OK, ist schwer zu verstehen und mag anderen auch so oder ähnlich passieren. Tatsache ist, dass ich es nach Klärungsversuchen hinterher dann doch nicht genau weis, wie es war und das schlechte Gefühl habe verloren zu haben bzw. schon wieder die Leute verärgert zu haben mit schwierigen Diskussionen und ihnen Zeit genommen habe. Allerdings ist solches für fremde manchmal leichter zu handhaben, als für Angehörige. Angehörige haben ein zu eingefahrenes Bild von mir und Fremde sehen mehr die positiven Seiten, die auch in mir stecken.

Oft habe ich sogar das Gefühl ganz knapp davor gewesen zu sein ein Komplott gegen mich aufzudecken. Nur dass ich entsprechend Antworten bekomme, dass es doch anders war. Andererseits fällt dies u. U. den Gegenüber leicht sowas zu sagen, weil sie genau wissen, dass mir diese Annahmen und Vermutungen passieren.

Ich habe mal einer Bekannten, die über Monate hinweg bei beinahe jdem zweiten Satz oder Ausdruck von mir sagte: “Das vermuten Sie nur…” verboten dieses “vermuten” zu sagen, da ich das inzwischen versuche zu vermeiden. Das gelang mir auch eine Zeit lang ganz gut.

Wie soll ich mich nur kurzfassen? Und wie so kompliziertes und komplexes wie Situationen mit wörtlicher Rede verständlich beschreiben?

Die im Buch “Der umgeschulte Linkshänder” beschreibene Folge : andauernd ins Wort fallen habe ich jedenfalls nicht. Im Gegenteil, ich vermeide streng jemand zu unterbrechen oder ins Wort zu fallen. Das verhindert allerdings auch schnell und sicher selbstsicher zu reagieren. Verhindert manchmal auch rasch genug zu antworten oder die Unterhaltung fortzuführen, was oft anderen die Gelegenheit gibt an meiner Stelle fortzuführen und eine glänzende Unterhaltung zu haben, die ihnen dann positive Motivation mit in den Tag gibt.

Die oben beschriebenen Folgen erklären sich eigentlich von selbst.

Oft ist mir auch passiert, dass man mich für einen Lügner gehalten hat. Oder halt, dass ich vermute oder hineininterpretiere (“in den Kopf anderer hineindenken will”, weil ich mir wünschen würde, dass eine Situation so war wie ich es versuchte anzusprechen oder ähnliches).

Es gab jedenfalls viele Unzulänglichkeiten und Missverständnisse meinerseits und auch andererseits. Das führte natürlich, so wie das andauernde klären wollen von vergangenen Situationen, dass ich oft die Arbeit verlor (natürlich nicht nur deshalb und auch aus anderen, mitunter wirtschaftlichen Gründen), klar, dass kaum jemand mit mir gerne sich unterhilt oder was unternahm und erst recht nicht sich mit mir befreundete.

Oft wirkte ich anscheind auch als unbeholfen oder gar hilflos, was vorallem bei Frauen ein Hilfesyndrom ausgelöst hat. Dies verhinderte aber zum Teil auch eine gesunde, erwachsene Entwicklung zu mehrLebenserfahrung und Selbstsicherheit.

Dies hat sich natürlich mit den Jahren alles relativiert und gelindert. Aber teilweise gibt es heute noch viele Menschen, vorallem Frauen, die mir schnell helfend beispringen, in dem sie für mich antworten und selbstsicher reagieren. Darauf alles möchte ich hier aber nicht näher eingehen, sonst wird das noch ein sehr sehr langer Text.

Zum in Teil 1. genannten Punkt : Kreative Fähigkeiten des Umgeschulten Linkshänders. OK, dass der Umg. LH davon mehr hat ist nicht beweisen, bzw. nicht eindeutig.

Diese spüre ich in mir aber schon von klein auf genau. natürlich nichts “größenwahnsinniges”- Sondern vielleicht ehr ein wenig Talent zum Schreiben, was aber z. Zeit ehr wieder zurück gegangen ist. Obwohl mir kürzlich hintereinander zwei Gedichte in wenigen Minuten gelungen sind. Und meine Ergoteherapeutin erkennt ein wenig farbenfrohes Talent in Bildern und Seidenmalerei. Ich habe immer das Gefühl gebabt, mein Leben lang, dass eigentlich ein smarter, unterhaltsamer, selbstsicherer, überzeugender Mensch in mir steckt, der viel Humor hat, gut erzählen und gut organisieren kann. Nicht unbedingt ein Regisseur oder Fotograf, wie ich mir oft wünschte, sondern an ganz passabler Kaufmann mit ganz guten Beziehungen, Partnerschaften und Familiensinn.

Zur Zeit habe ich große Probleme damit meine Selbstsicherheit zu zeigen. Dabei habe ich erst jetzt viel mehr darüber begriffen und gelernt als früher bei Kursen und in Verhalenstherapien. Immer bin ich von Situationen viel zu sehr überrascht und immer noch ziemlich in dem Gehirnknoten befangen. Obwohl mir auch Komplimente gemacht werden, dass ich mich langsam mehr zum ositiven verändere. Aber es gibt noch keinen Durchbruch.

“Wenn ich anderen sage, wie ihr Verhalten auf mich wirkt, gebe ich ihnen die Chance sich zu ändern” und “Wenn ich meine eigenen Rechte häufig nicht wahrneheme, gebe ich anderen nur die Möglichkeit mich zu manipulieren.” Diese beiden Sätze stehen heute im Mittelpunkt. Noch gelingt mir aber viel zu selten dieses selbstsichere Verhalten. Weil es mir zu schnell geht, ich zu überrascht bin und weil sich scheinbar unbewußt zuviele einmischen an meiner Stelle.

Das führt hier viel zu weit das alles zu erläutern und mit Beispielen zu beschreiben. Wenn ich aber mal anspreche: “Danke für deine Hilfe, aber ich will das selbst machen, da ich das kann” oder ähnliches. Dann habe ichden Eindruck, dass dann ein lauter Wirbel an Reaktion darauf entsteht. Klar, weil die Leute nicht gewohnt sind, dass ich selbsticher antworte oder reagiere. Mir kommt das wie ein Aufstand vor. Anstatt, dass sie anerkennen, dass ich selbstsicher war. Neulich bekam ich sogar zur Antwort, als ich sagte “Aber dann kann man doch dabei ruhigbleiben und nicht so mit Aufstand reagieren”, “Doch, das muss so sein, da muss laut und turbulent reagiert werden.

Und das alles nur, weil man es nicht gewohnt ist von mir.

Ich hänge noch einen vieren Teil dran. Das ist heir schon wieder zu lang und unverständlich bzw. kompliziert und Beispiele sind immer noch keine drin.

MatthiasH

Umgeschulte Linkshänder – wie ich mit den Sekundärfolgen lebe II “Knoten im Gehirn”

Endlich komme ich zu dem 2. Teil meines Berichtes. Zunächst möchte ich aber nochmal betonen, dass ich lange Zeit nicht gewußt habe, welches die auslösende Grundursache für viele meiner kommunikativen und zwischenmenschlichen Probleme und Verhaltensmuster war. Die Grundursache habe ich erst vor zwei Jahren, also mit 48 entdeckt. Daneben hat sich im Laufe der Jahre auch einiges an Zusammenhängen und Ursachen ergänzt und vermischt, aber auch gebessert und erledigt, da ich wie jeder ja auch dazu gelernt habe, erwachsener geworden bin und sich Grundsituationen ändern, man wird einfach älter.

Dabei habe ich seit Jahren gelernt vieles zu akzeptieren und so stehen zu lassen. Hätte ich das nicht getan, wäre Leben viel verworrener und viel schwieriger geworden, ja nahezu unmöglich. Ich habe ganz sicher vieles akzeptiert und immer versucht zu ändern und mich zu entwickeln und nie habe nie aufgegeben und mit viel Lernbereitschaft versucht mich weiter zu entwickeln, sonst gäbe es mich vielleicht schon lange nicht mehr.

Das heisst aber bei weitem nicht, dass ich als Jugendlicher oder junger Erwachsener dumm, unangepasst oder schwierig war. Und heisst auch nicht, dass ich unmöglich oder gar sowas wie autistisch war. Wobei ich Autisten keinesfalls zu nahe treten will, weil diese auch sehr besondere Fähigkeiten haben und ich mir diesen “Zustand” nicht vorstellen kann.

Nun zu dem Punkt: “Knoten im Kopf oder Knoten im Gehirn”.

Die ersten Lebensjahre war ich noch sehr agil und munter, aufgeweckt und unbedarft und voller Ideen. Ich war ganz genau wie andere Kinder und mir standen alle Möglichkeiten für Freundschaften und Erfolg wirklich offen, später nicht mehr so wirklich. Dies weis ich aus eigener Erfahrung und aus Erzählungen. Mit 3 oder 4 Jahren stellte ich mich z. B. oft bei uns auf die Eckbank und rief, dass ich auch was sagen will. Diesen Teil des kleinen Matthias habe ich mir bis heute bewart und in der letzten Zeit kommt dies auch wieder öfter zum Vorschein. Aber schon im Kindergarten, also noch vor der Umschulung im 1. Schuljahr, merkte ich, dass es mir nicht so gut gelingt Kontakte zu knüpfen und Verbindlichkeit herzustellen. Dies habe ich an einigen Beispielen noch in eigener, bewußter Erinnerung. Anderen Kindern gelang es scheinbar einfacher sich anderen anzuschließen und Freunde zu gewinnen, oder einfach nur andere zu überreden mit ihnen zu spielen und ihnen die Spielgeräte zu überlassen oder was für sie zu tun. Mir wurde öfters als anderen der Sandkuchen zerstört oder Schaufel und Mütze weggenommen oder gerade gewonnene Bekannte schlossen sich plötzlich anderen an.

Den Knoten im Gehirn kann man sich wie ein verheddertes Wollkläuel oder einen Schrotthausfen vorstellen. Ähnlich wie ihn diese Brüder haben, die Schrott und Autoteile sammeln und sortieren. Nur hat bei den Brüdern alles eine Ordnung. Bei mir überlagern sich Gedanken, Erlebtes, Unerledigtes, Situationen, die mir noch nachgehen und viele Gedanken machen usw. Das war vor vielen Jahren noch alles geordneter. Heute lichtet es sich etwas und hat wieder mehr Struktur und Ordnung. Mein Kopf wurde seit der im Herst 2009 begonnenen Ergotherapie (siehe Teil 1)  freier.

Der Knotem im Gehirn macht sich meist folgendermaßen bemerkbar —>  Abends lerne ich etwas und kann es ganz passabel. Dann, wenn ich es anwenden oder aufsagen soll (hier beziehe ich mich auf die Schulzeit), dann ist es weg oder zumindest nur bruchstückhaft in Erinnerung oder verdreht. Das passiert anderen Menschen auch, OK. Aber bei mir hab ich das anders erlebt als bei Schulkameraden. Bei mir reicht schon eine kleine Begebenheit morgens, die mir aufstieß oder in Gedanken noch zu schaffen machte, oder auch nur leicht störende Aussengeräuche oder leichte Unruhe in der Klasse (lachen, flüsstern, hänseln) um mich raus zu bringen und tief zu verunsichern.

Ich stand dann da, als hätte ich mich nur gemeldet, um aufzufallen. Der Lehrer begriff es nicht und schrieb es meiner Faulheit oder Unkonzentriertheit zu. Zuhause musste ich mehr lernen und mit der Zeit zweifelte man an meiner Intelligenz oder Willen oder Schnelligkeit. Ich wußte aber eigentlich immer, dass es mir an Intelligenz nicht fehlte. Erst in späteren Jahren haben mir meine Geschwister oft bestätigt (meine Mutter starb als ich 18 war, mein Vater, sah sich als Ernährer und versuchte nur sein Bestes sich gelegentlich in Erziehung einzumischen, ihm konnte man eh nichts recht machen. Er war aber herzensgut), dass ich trotz allem sehr intelligent sei. Und das merkte ich auch selber. Dabei war ich in der Schule gar nicht so schlecht. Aber auch nicht sehr gut. Vorallem fand ich keine Freunde und man mied mich sehr. Lernen konnte ich viele Jahre noch recht gut, es dauerte halt etwas länger. Heute kann ich kaum noch gut auswendig lernen. Immer schon hatte ich ein gutes Zahlengedächtnis und Freude im Umgang mit Zahlen. Die Umschulung der Händigkeit hatte auch keinerlei Schwächen in der Rechtschreibung oder im Lesen zur Folge. Ausser, dass ich sehr viel langsamer lese, auch heute noch, aber das liegt auch daran, dass ich alle Worte sehr genau nehme und Lesen auch “genieße”. Wie zum Beispiel die Ausdrucksweise von Böll, den ich schon mit 14 laß, aber später immer wieder, und dann erst so richtig verstand.

In den späteren Jahren war es dann oft so, dass ich mir vorstellte wie wohl eine Unterhaltung mit Mitmenschen aussehen oder erfolgen könnte. Teilweise machte ich mir darüber schon mit 6 odr 7 Gedanken. Leider hatte ich dazu zuviel vorausgestzt und mich dadurch zuviel festgelegt wie der Verlauf einer Unterhaltung sein sollte. Also, wenn ich mit jemand reden wollte, Kontakt aufnehmen, etwas klären oder bei bevorstehenden Vorstellungsgesprächen. Da wußte ich im Kopf noch recht gut und flüssig zu antworten und aus Erlebtem zu erzählen (Alltag, Erfolge, Urlaub). Als aber dann die Situation kam, verlief alles ganz andern und viel unbefridigender. Plötzlich waren alle Urlaubserlebnisse vergessen, alle Fragen an mein Gegenüber vergessen. Zuhause konnte ich mir die schönsten und agilsten Unterhaltungen vorstellen, dann morgens in der Schule, bei der Arbeit oder beim Kursus, war fast alles vergessen oder ungeordnet und nur sehr schwer abrufbar. Bei anderen kam es mir vor, als würden diese früh morgens schnell den Text des Tages als Bühnentext bekommen und schnell auswenig lernen. Die hantierten und quasselten pausenlos und denen fiel alles scheinbar mühelos ein, alles wirkte wie gelernt, war aber wohl nur Gewohnheit und in Fleisch und Blut übergegangen.  Mal die Vorstelungstermine ausgenommen, die ich ja nur etwas vorbereiten wollte. Dafür gibt es eh keine genaue Regel und die verliefen mal mehr oder wniger gut und da hat man nicht alles in der Hand usw. Aber flüssige und für beide Seiten anenehme und erfolgreiche Unterhaltungen, und sei es nur Smal Talk gewesen, kamen bei mir so gut wie nie zustande.

In späteren Jahren vermischte sich alles was ich bei Gelegenheiten erzählte und sprach auch mit meinen Problemen, die von der Areitssuche und Arbeitslosigkeit kamen. Ich sprach jahrelang immer nur über mich und von meinen Problemen, wirkte oft sehr unreif und hiflos. Das ist aber zum Teil wieder eine ganz andere Geschichte. Dieses führte aber zu noch mehr Überlaguerungen von kleinen Begebenheiten und vielen Gedanken in meinem Kopf.

Erst in den letzten 2 oder 3 Jahren gelingt es mir wieder etwas mehr und besser NICHT von meinen Bewerbungen und Problemen zu reden. Aber Freunde habe ich immer noch keine. Weil es immer noch auch an Selbstsicherheit und sozialer Kompetenz fehlt. Theorie “sehr gut”, Praxis “mangelhaft”. Obwohl mir schon länger viel mehr Freundlichkeit, Offenheit und auch Humor bestätigt wird. In den letzten Jahren hatte ich auch gelegentlich schon ganz gute Untehaltungen. Aber viel zu oft empfinden mich evtl. Menschen als zu “schwierig” und “anstrengend”, sind viel zu schnell desinteressiert und gelangweilt. Man muss mich ein wenig mehr kennen, um viel mehr positive Eigenschaften von mir zu erfahren.

Der Knoten im Kopf ist schwer zu beschreiben. Wichtig ist vielleicht noch, dass ich leicht ablenkbar bin, was andere auch oft ausnutzen. Viele brauchen im Hintergrund Geräuche oder Radio und können sich trotzdem noch gut unterhalten. Ich hätte gerne z. B. in der Tagesgruppe das Radio aus, vorallem beim Essen, muss mich da aber oft anderen anpassen. Viele können sich bei Fluglärm und Autobahn, Kettensäge und Bagger noch gut und glänzend unterhalten. Mich stört fast jedes Geräusch und in Veranstaltungen ist es sehr schwierig. Ich könne nicht “rausfiltern”, wie mir manche sagte, so nenne ich das seit Jahren selbst. Nebengeräuche, auch von draußen und weit weg, stören mich, und auch Nebengespräch am Tisch (Hauptgespräch sollte in dem Fall das sein, welches ich mit jemand im Augenblick führe). So kann ich mich z. B. dann auch nicht mehr richtig konzentrieren, wenn wir mit unserem Kinokreis hinterher in einer Kneipe den Film besprechen. Dann höre ich trotz lautem Getöse der Kneipe noch Geräuche von aussen (Autotüren, Vögel, Regen). Und wenn die Leute dann von ihren Eindrücken vom Film scheinbar wahllos mittendrin im Filmablauf anfrangen zu besprechen, dann wäre es mir lieber chronologisch Szene für Szene vorzu gehen. Wobei ich heute kaum noch richtig Bedarf habe einen Kinofilm zu besprechen. Früher war das anders. Da sind meine Gedanken im Kopf übergesprudelt und ich hätte Stapel an Gesprächen und Unterhaltungen mit Bekannten loswerden können, es war aber niemand da. Kann mich z. B. noch gut an mein Gefühl erinnern, als ich aus dem Film “Es war einmal in Amerika” raus kam. Heute sind die Teilnehmer vom Kinokreis da, aber der Film ist für mich schon fast abgehakt. Früher war es für mich noch ein wenig leichter mich bei Musik oder Arbeitslärm zu unterhalten. Früher hatte ich nur vor lauter Gedanken im Kopf keinerlei Ideen, was ich sagen soll oder was ich jemand fragen könnte. Das heisst eigentlich oft auch anderes —-> ich hatte Ideen, traute mich aber nie, weil ich mir Selbstsicherheit nicht zur Gewohnheit machte und mich viel zu oft davor drückte und dann immer älter wurde es es immer schwerer wurde, weil die Lebensgewohnheiten sich änderten (Erklärung: mit 20 hat man noch gewisse Chancen für Freundschaften, mit 40 sind fast alle bereits wieder geschieden, mit schlechten Erfahrungen und mit Nachwuchs, wohnen wo anders; wenn man dann in der Schulzeit den Kontakt nicht halten konnte, ist es viel zu spät).

Aber heute bin ich ganz froh, dass vorallem durch die ERgotherapie bei einer mit dem Thema “Folgen durch Uumschlung der Händigkeit” sich sehr gut auskennenden Therapeutin, die das Ganze auch mit Elementen aus der Feldenkraislehre angeht, dass sich mein Kopf ein wenig lichtet. Ganz leicht kommen auch schon wieder kreative Fähigkeiten zum Vorschein und etwa mehr Leichtigkeit und Humor und ein wenig auch der “kleine Matthias” (mehr an Witz, Scharm, Höflichkeit, Ideen, Tatendrang, Lernbereitschaft usw.). Dann gehe ich gelegentlich zu einem Singkreis ohne Anspruch und zu einer Musiklehrerin, um ein wenig rhythmisch zu improvisieren.

Das soll erst mal genügen. Dann noch ein 3. Teil also wieder bezogen auf meinen Umgang mit dem Thema.  MatthiasH

Umgeschulte Linkshänder – wie ich mit den Sekundärfolgen lebe I

Das Thema “Umgeschulte Linkshänder” ist auch heute noch recht unbekannt. Oft wird es kaum verstanden und belächelt. Ich selbst weiss erst seit etwa 2 Jahren, dass ich zu diesem Personenkreis gehöre und es war anfangs sehr mühselig Informationen darüber zu bekommen. Bis dahin wußte ich auch nicht, dass die Umerziehung der Händigkeit, maßgeblich des Schreibens, bei Schuleintritt so genannt wird. Egal, ob es sich um eine rauhe oder gar gewaltsame Umerziehung handelt, es wird immer “Umschulung” genannt. Es heisst mitunter auch, dass die Missachtung der Linkshänder und der Umgeschulten Linkshänder eine größere Unterdrückung sei als eine solche der Farbigen. Darüber läßt sich streiten. Die Informationen und das Bewußtsein in der Umgebung und Bevölkerung über das Thema “Umgeschulte Linkshänder” ist jedenfalls ungleich geringer als über die Farbigen Menschen.

Der Mangel an Informationen in der Bevölkerung und unbedachte, unbedarfte Umgang mit dem Thema “Umgeschulte Linkshänder oder Linkshändigkeit” führt dann zu solchen Antworten wie “Heute macht man es ja nicht mehr”. Das läßt vermuten, man geht davon au, da es ja nicht mehr getan wird, gibt es diese Betroffenen nicht.

Ich bin auch sehr froh, dass man diese Umerziehung schon bei den Jahrgängen 1959, 1960 nicht mehr gemacht hat, als diese um 1965/66 eingeschult wurden. Ich finde es auch sehr richtig und wichtig, dass man heute da bei Kindern darauf achtet und, dass es Eltern und Fachkräfte gibt, die dafür sorgen, dass die Kinder in ihrer Händigkeit belassen werden, weil man heute weiss, dass es zumindest mit Selbstsicherheit und Erfolg zusammenhängt. Ich habe auch schon als Aushilfe in Stadtmuseum und bibliothek mitbekommen, dass man heute frühkindliche Erziehung macht, sei es in Lesegruppen, im Erklären von der Entstehung des Brotes und (Bach-)Mühlenmodellen oder Vorlesen in verschiedenen Sprachen. Supertoll! Bei unserer Selbstsicherheit betreffend hat es früher garnichts dazu geheissen oder es wurde gesagt “Das ergibt sich von selbst”.

Hier will und kann ich auch nicht den Anspruch erfüllen oder einhalten wissenschaftlich genau und völlig korrekt zu sein. Es geht nur um die Schilderung, wie ich mit den Folgen lebe, in der ersten Klasse umgeschult worden zu sein.

Es gibt Linkshänder und Rechtshänder. Die Verteilung kennt man nicht genau. Es wird aber angenommen, dass es nahezu gleich viele gibt. Es gibt auch umgeschulte Rechtshänder, aber diese sind sehr selten.

Auf die Fälle von Umschulung der Händigkeit, die auf Unfälle und Behinderung zurück zu führen sind, will und kann ich hier nicht eingehen. Das darf ich mir nicht anmaßen und dieses Schicksal ist auch so schwer genug. Ich kann auch nur aus meinen Lebenserfahrungen berichten, die bei anderen Umgeschulten Linkshändern schon etwas anders sein können, so wie jeder Mensch ein eigenes Individuum und daher verschieden ist. Genauso kann ich auch nicht aus Erfahrungen eines Linkshändrs berichten, weil ich dies nur bis ins 6. Lebensjahr war und diese Erfahrungen nicht gemacht habe.

Linkshänder haben es heute auch wohl noch mitunter schwer. Sind aber in den letzten 10 Jahren schon recht gut anerkannt und man belächelt dieses Thema bei weitem nicht mehr so. Seit einigen Jahren gibt es auch Linkshändertage und Veranstaltungen mit dem Thema “Linkshändigkeit” und z. B. Läden, in denen man Gegenstände für den linkshändigen Gebrauch erwerben kann.

Zu Beginn möchte ich hier erst mal einige Primär- und Sekundärfolgen benennen und kurz über den Zeitraum bis zu Beginn der Umschulung meiner Händigkeit mit 6 Jahren schreiben.

Primärfolgen können sein:

- Gedächtnisstörungen

- Konzentrationsstörungen (schnelle Ermüdbarkeit)

- legastenische Probleme

- Raum-Lage-Labilität

- feinmotorische Störungen

- Sprachstörungen (Stammeln, Stottern)                                                                  (zitiert: “Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn” Johanna Barbara Sattler)

Dabei möchte ich hier noch anfügen, dass, meines Wissens, auch psychosomatische, psychische oder neurothische Folgen und Auswirkungen, wie z. B. Konzentrationstörungen, Stottern, Ängeste, Minderwertigkeitsgefühle, unterschiedliche Verhaltensstörungen, auch andere Menschen, um nicht zu sagen jeden treffen kann. Das hängt aber von vielen Faktoren und Parameter ab, die wir alle nicht genau wissen können letztendlich, und was hier auch nicht Gegendstand des Berichts ist.

Es ist auch nicht gesagt, dass jeder oder viele Umgeschulte Linkshänder diese Sympthome oder Folgen entwickelt. Wie bei jedem hängt es auch von Faktoren wie z. b. Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz, Rückhalt in der Familie und Umgebung ab. Einige haben auch so durchaus mehr oder weniger Erfolg in Leben, Beruf, Kommunikation und Freundschaft. Manche haben früher, andere später, andere keinen Umbruch oder Zusammenbruch. Bei manchen wird die Diagnose gleich erkannt, wenn sie auf Fachkräfte, Ärzte und Psychologen treffen, die sich mit dieser Thematik auskennen. Aber selbst bei Fachkräften ist eine Rückschulung der Händgkeit umstritten und es kommt auch hier sehr auf den individuellen Einzelfall an.

Was die vermehrte Kretaivität von Linkshändern oder umgeschulten Linkshändern betrifft, ist die Forschung inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass dies nicht zu trifft. Ich bin mir aber sicher, dass bei mir so manches viel anders gelaufen wäre. Ob dies immer besser geworden wäre, wissen wir nicht. Habe aber schon immer gespürt, dass noch viele und mehr Eigenheiten und Positives in mir stecken und auch viele Fähigkeiten, die sich anfühlen, als ob sie nicht gelebt wurden durften.Daurüber will ich dann auch später näher eingehen.

Sekundärfolgen, dich sich z. B. entwickeln können:

- Minderwertigkeitskomplexe, Unsicherheit

- Zurückgezogenheit

- emotionale Probleme bis ins Erwachsenenalter

- Überkompensation durch erhöhten Leistungseinsatz

Durch diese Sekundärfolgen entwickeln sich dann Verhaltensweisen und Folgen fürs Leben, um es kurz zu sagen, die ich dann auch später beschreiben will. Jedenfalls geht bei mir dadurch ein Verlust an Lebensqualität einher. Das macht sich teilweise im Fehlen von Beruflichen Erfolgen, häufiger Verlust der Arbeit, Mangel an Bekanntschaften und Freundschaften (bzw. diese auch aufzubauen und längere Zeit zu halten) und Fehlen von Lebensbereichen bemerkbar. Dies bezieht sich immer auf meine Sicht. Und kann auch bei Menschen vorkommen, die Rechtshänder sind und ist so vielfältig wie jeder anders ist. Alleine der Mangel an Freundschaften hat viele Nachteile. Von Gelegenheiten mit jemand zu reden über Freizeitaktivitäten bis zu Vitamin B bei Bewerbungen. Mangel an Durchsetzungsvermögen und Organisationsgeschickt erklärt sich fast von selbst.

Ich war von klein auf Linkshänder. Vor der Einschulung war ich stolz meinen Geschwistern und Eltern zu zeigen, dass ich fließend Spiegelschift schreiben kann und auch einige Worte mit Rechts. Auf meine Intelligenz, Merkfähigkeit waren alle Stolz. Mein Vater war von der Spiegelschrift überhaupt nicht begeistert. Immerzu und täglich habe ich zu hören bekommen “Nur die Rechte Hand ist die richtige” oder “Gib der Tante bitte die Rechte, die Gute Hand”. Mein Vater insistierte sogar, dass Linkshändgkeit so eine Art Verbrechen sei und bei der Bundeswehr völlig undenkbar, dort würde man sehr große Schwierigkeiten bekommen. Als ich dann beim Kreiswehrersatzamt bei der Musterung war, wurde ich als Untauglich festgestellt. Und wegen einer Lungenoperation mit 19 war ich sowieso freigestellt. Sportlich war ich nie gut.

Als ich dann im ersten Schuljahr war, wurde ich gewaltsam mit Stockschlägen und Beschimpfungen umerzogen auf Rechts schreiben und mehr und mehr auch zuhause auf den Gebrauch der Rechten Hand. Diese Schläge hat aber wohl nie bei mir etwas traumatisches ausgelöst. Es wäre auch falsch und nur in der Vergangenheit behaftet bleibend, wenn ich meinen Eltern oder der Schule und Umgebung an irgendwelchen Folgen die Schuld gäbe. Inzwischen haben sich auch andere Ursachen und Folgen zu dieser “auslösenden Grundursache”, wie ich inzwischen sage, gesellt und vieles verdeckt und überlagert sich und bedingt sich gegenseitig. Das hat genau durch viele berufliche Stellenwechsel und viele Zeiten der Arbeitslosigkeit und Schüchternheit usw. entwickeln können. Aber ich frage mich, da muss es doch einen Auslöser oder eine Grundursache für Mangel an Sozialer Kompetnez (was bei weitem nicht heiss, ich bin für Kontate und Zwischenmenschliches unfähig) Mangel an Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen, geben. Wobei ich heute längst nicht mehr bei der Ursachenforschung bleiben will, denn ich bin schon viel weiter und weiss sehr viel über mich.

Dann kann ich mich an den ersten Ferientag im ersten Schuljahr erinnern. Das weiss ich noch ganz genau. Wir hatten die Hausnummern zu lernen. Dass diese praktischerweise auf einer bestimmten Seite gerade sind und sonst ungerade, war mir klar. Aber warum war die Regel genau so und nicht anders, auf Links bezogen? Damals hatte ich mir, wenn auch nicht auf eine erwachsene Weise, sondern natürlich kindlich, geschworen: “Wenn die das so mit mir in der Schule machen, dann sollen sie auch die Folgen spüren”. Schon ahnend, dass ich oft Arbeitslos werde und in jungen Jahren ziemlich unselbstständig, dass quasi die Eltern wohl immer für mich sorgen müssen??? Ich spürte oder wusste: “Was die mir wegen den Händen antun und wegen dem Schreiben mit Beschimpfungen, dass kann nicht gut sein. Ich will ab nun immer alles genau beobachten, wie es andere tun oder was die Leute reden und wie sie reden und erzählen und leben, damit ichs genau verstehe”.

Aber schon damals habe ich viele Handgriffe und Tätigkeiten mit Links beibehalten. Vieles tut man soweiso beidhändig, und sei es nur, weil man einen Gegenstand ja mit der einen Hand festhalten muss. Rasieren, egal, ob nass oder elektrisch, Brot schneiden, Messer und Gabel, abwaschen z. B. mache ich heute noch mit Links.

Heute ist es weitgehend anders gekommen, abgesehen von den Beruflichen Problemen und dem Mangel an Bekannten und Freunden.

Also das nächste Mal komme ich auf die Sekundärfolgen bzw. die Folgen bei mir, was die Umschulung der Händigkeit berifft und Beispiele, wie es sich auswirkt und ich mittlerweile damit lebe. Später will ich dann den Begriff “Knoten im Gehirn” erklären. Eine üble Hauptfolge, die sehr viel erschwert und kaum einer sich richtig vorstellen kann.

MatthiasH